Wo die Medizin der Zukunft längst Gegenwart ist
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zu Gast am Uniklinikum Erlangen und an der FAU
„Medizin der Zukunft“ lautet das Motto für das Wissenschaftsjahr 2026. Nirgends lässt es sich besser in die medizinische Zukunft blicken, als am Wissenschaftsstandort Erlangen mit dem Uniklinikum Erlangen, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), dem Medical Valley und den zahlreichen Unternehmen aus der Medizintechnik. Deshalb lud der Erlanger Bundestagsabgeordnete Dr. Konrad Körner gemeinsam mit dem FAU-Präsidenten Prof. Dr. Joachim Hornegger und dem zweiten Erlanger Bürgermeister Jörg Volleth ans Uniklinikum Erlangen zu einem Runden Tisch mit der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung und Industrie.
Anlass für die Gesprächsrunde war die Hightech Agenda Deutschland, mit der die Bundesregierung zentrale Weichen für die technologische Zukunftsfähigkeit Deutschlands stellt. Die Europäische Metropolregion Nürnberg, in der Spitzenforschung, innovative Entwicklungen und medizinische Exzellenz eng miteinander verzahnt sind, gehört hierbei zu den wichtigsten und leistungsstärksten Regionen in Deutschland. Deshalb eignete sich der Wissenschaftsstandort Erlangen besonders, um führende Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Medizin, Wirtschaft und Politik miteinander in den direkten Austausch treten zu lassen.
Hightech made at Uniklinikum Erlangen
Nach der gemeinsamen Begrüßung der Anwesenden durch Prof. Hornegger und Dr. Körner sowie Grußworten von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär führte Erlangens zweiter Bürgermeister Jörg Volleth in die Veranstaltung ein. Darauf folgten die Kurzvorträge zweier Forschungsgruppen.
Den Anfang machten dabei Prof. Dr. Sarina Müller, Direktorin der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie des Uniklinikums Erlangen, Prof. Dr. Roland Nagy vom FAU-Lehrstuhl für Angewandte Quantentechnologien und Prof. Dr. Christoph Alexiou, Leiter der Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin (SEON) an der HNO-Klinik des Uniklinikums Erlangen. Mittels Nano- und Quantenmedizin möchte Prof. Müller eine schnellere Diagnose und präzisere Therapieformen möglich machen, die dabei noch bezahlbar sind. So sei es zum Beispiel möglich, mittels modernster Quantensensorik Krebszellen und gesunde Zellen anhand ihres jeweiligen Magnetfeldes voneinander zu unterscheiden. Dabei kommen spezielle magnetisch angereicherte Nanopartikel zum Einsatz, sogenannte superparamagnetische Eisenoxidpartikel. „Diese Technologie ließe sich auch in der Chemotherapie einsetzen“, erklärte Prof. Alexiou, „um das Medikament direkt in den Tumor einbringen zu können, da die Eisenoxidpartikel sich so auch steuern lassen. Dies verbessert die Therapieeffizienz und reduziert die Nebenwirkungen.“ Auch bei der Identifikation einer Sepsis könnte diese Technologie helfen.
Darauf folgte der Vortrag von Prof. Dr. Silvia Budday. Sie und ihre Kollegen Prof. Dr. Oliver Schnell, Direktor der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen, und Dr. Daniel Delev, stellvertretender Direktor der Neurochirurgie, erforschen in Zusammenarbeit mit Medizinerinnen und Medizinern, Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, Biologinnen und Biologen sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren an der FAU das menschliche Gehirn. Dabei unterziehen sie unser komplexestes Organ mechanischen Analysen und entwickeln daraus Computermodelle des Gehirns, die dabei helfen, Diagnose- und Behandlungsmethoden zu verbessern. „Messungen der mechanischen Eigenschaften vor und während einer OP ermöglichen es, ansonsten nicht identifizierbares erkranktes Gewebe ‚sichtbar‘ zu machen“, erklärte Prof. Budday. „So lässt sich dieses gezielt und sicher entfernen.“ Mechanik-basierte Computersimulationen könnten außerdem individuelle Krankheitsverläufe vorhersagen, um die Ursache der Erkrankung besser zu verstehen und Entscheidungen über die optimale Behandlung zu erleichtern.
Gesprächsrunde zum Abschluss
Im Anschluss an die Vorträge diskutierten die anwesenden Expertinnen und Experten, welchen Herausforderungen zu begegnen sein wird und welche Chancen sich für den Wissenschaftsstandort Deutschland im Allgemeinen und Erlangen im Speziellen in den kommenden Jahren eröffnen werden. Dabei nahmen die Diskussionsteilnehmenden technologische und medizinische Entwicklungen sowie die Positionierung der Region im internationalen Wettbewerb ebenso in den Blick wie die Frage, welche Impulse notwendig wären, damit Deutschland weiterhin weltweit für technologische Exzellenz und Spitzeninnovation steht. Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung und Industrie machten in der Gesprächsrunde darauf aufmerksam, dass die Forschungseinrichtungen und Unternehmen in der Metropolregion durchaus Weltspitze seien, es aber weitere Anstrengungen benötige, damit dies auch zukünftig so bleibe oder sogar noch weiter ausgebaut werde. Dies gelte insbesondere auch für die Förderung von Start-ups oder Leuchtturmprojekten.
Stimmen aus Politik, Uniklinikum Erlangen und FAU:
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär: „Der Besuch an der FAU zeigt eindrucksvoll, dass die Medizin der Zukunft hier längst Gegenwart ist. Am Wissenschaftsstandort Erlangen entsteht Medizintechnik, die Deutschlands Stellung in der Entwicklung exzellenter Technologie stärkt und Forschungserkenntnisse schnell in konkrete Anwendungen für Patientinnen und Patienten überführt. Entscheidend für den weiteren Erfolg ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von exzellenter Wissenschaft und innovativer Industrie. Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen und so den Standort Deutschland gemeinsam stärken. Biotechnologie ist eine der sechs Schlüsseltechnologien der Hightech Agenda Deutschland, mit denen wir unser Land zum Top-Technologieland machen wollen."
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann: „Ich freue mich sehr, dass sich die Bundesforschungsministerin vor Ort über die Forschungsschwerpunkte der Erlanger Universität informiert hat. So haben wir weiterhin sehr gute Aussichten, starke Forschungsmittel nach Bayern zu holen, gerade weil das, was hier zum Beispiel in der Krebsforschung und der Forschung am Gehirn stattfindet, international erstklassig ist. Diese Entwicklung möchten wir auch weiterhin vorantreiben.“
Prof. Dr. Sarina Müller, Direktorin der HNO-Klinik des Uniklinikums Erlangen: „Krebserkrankungen noch früher und präziser zu erkennen, ist eine der größten medizinischen Herausforderungen der Zukunft. Am Uniklinikum Erlangen arbeiten wir schon heute daran, aktuelle Diagnose- und Therapieoptionen bei onkologischen Erkrankungen mithilfe hochsensibler Quantensensoren entscheidend zu verbessern.“
Prof. Dr. Christoph Alexiou, SEON-Leiter: „Große Fortschritte entstehen dort, wo Disziplinen miteinander verschmelzen. Mit dem geplanten Deutschen Zentrum für Nano- und Quantenmedizin (DZNQM) am Uniklinikum Erlangen wird ein solcher Ort geschaffen – ein Zentrum, das die physikalische Präzision der Quantentechnologien mit der biomedizinischen Innovationskraft der Nanomedizin vereint. Ziel ist es, die Grenzen des heute Machbaren in Diagnostik und Therapie zu verschieben und damit die medizinische Versorgung von morgen entscheidend zu verbessern. Mit diesem Zentrum soll die Translation von der Grundlagenforschung in die Klinik erfolgen und daraus ein Hebel für die die wirtschaftliche Verwertung und Schaffung von Arbeitsplätzen entstehen.“
Prof. Dr. Roland Nagy, FAU-Lehrstuhl für Angewandte Quantentechnologien: „Die interdisziplinäre Forschungskombination aus Nanomedizin und Quantensensorik stellt ein neuartiges Forschungsfeld dar, welches ein disruptives Potenzial für die Medizintechnik birgt. Um dieses Potenzial zu erschließen, beabsichtigen wir die Gründung eines Deutschen Zentrums für Nano- und Quantenmedizin (DZNQM). Ein solches Zentrum ist weltweit einzigartig und bietet Bayern sowie der Bundesrepublik Deutschland die Möglichkeit, in diesem Forschungsfeld die Spitzenposition einzunehmen. Der Standort Erlangen bietet aufgrund der exzellenten Forschungsumgebung die idealen Voraussetzungen für das DZNQM. Die Forschung im Zentrum soll sich der Lösung zentraler Fragestellungen des Gesundheitswesens widmen, welche mit konventionellen Technologien derzeit nicht adäquat adressiert werden können. Mit dem DZNQM erhoffen wir uns einen signifikanten Beitrag sowohl für die Gesellschaft als auch für den Wirtschaftsstandort Bayern zu leisten.“
FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger: „Ob Quantentechnologien, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit oder Gesundheitsforschung – die Schlüsseltechnologien der Hightech Agenda Deutschland stehen auch an der FAU im Zentrum. Passend zum Wissenschaftsjahr 2026 ,Medizin der Zukunft‘ konnten wir beim Besuch der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt eindrucksvoll zeigen, wie innovative Ideen und leidenschaftliche Forschung unserer Forschenden die Gesundheitsforschung sowie Früherkennung und Prävention entscheidend voranbringen. Besonders freut mich die große Resonanz der Ministerin auf unsere CAR-T-Zell-Therapie, mit der wir die Autoimmunerkrankung Lupus heilen können – ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie die FAU wirkt und Menschen ein Stück Lebensqualität zurückgibt.“
Dr. Konrad Körner, Mitglied des Bundestages: „Der Wissenschaftsstandort Erlangen: Die kleinste Großstadt Deutschlands strahlt in die ganze Welt. Der Forschungsministerin konnte durch die Vorträge auch nochmal gezeigt werden, wo es mit der Medizin der Zukunft in Erlangen jetzt schon hingeht. Es freut mich auch, dass wir heute am Runden Tisch die Vernetzung von außeruniversitären und universitären Forschungseinrichtungen gestärkt haben.“
Erlangens zweiter Bürgermeister Jörg Volleth: „Erlangen ist seit jeher ein starker Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Mit der FAU Erlangen-Nürnberg, dem Uniklinikum, Siemens und einer wachsenden Zahl innovativer Start-ups haben wir hier beste Voraussetzungen, die Ziele der Hightech Agenda Deutschland mit Leben zu füllen. Der ‚Runde Tisch Wissenschaftsstandort Erlangen‘ bietet die Gelegenheit, die handelnden Akteure zusammenzubringen und gemeinsam neue Impulse zu setzen. Der Besuch von Bundesministerin Dorothee Bär in Erlangen zeigt, dass Kommunen und Innovationsstandorte gehört werden und dass Zukunftspolitik nur im Dialog zwischen Bund, Ländern und Kommunen erfolgreich sein kann.“
Quelle: uni | mediendienst | aktuell Nr. 8/2026
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