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Logopädie – bald nur noch KI?

Logopädie – bald nur noch KI?

Erlanger HNO-Klinik zum Europäischen Tag der Logopädie: künstliche Intelligenz kann menschliche Expertise nur ergänzen – nicht ersetzen

Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in die Medizin – auch in die Logopädie. Anlässlich des Europäischen Tages der Logopädie am 6. März 2026 mit dem Motto „KI in der Logopädie – Chancen nutzen, Grenzen kennen“ positioniert sich die Fachabteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie des Uniklinikums Erlangen klar: KI kann diagnostische und therapeutische Prozesse sinnvoll ergänzen. Die individuelle Therapie durch erfahrene Logopädinnen und Logopäden bleibt jedoch unersetzlich.

„Wir arbeiten bei uns in der Klinik evidenzbasiert“, erklärt Lisa Härtl, klinische Logopädin. „Das heißt, wir verbinden die aktuell beste wissenschaftliche Evidenz mit unserer klinischen Erfahrung und den individuellen Bedürfnissen unserer Patientinnen und Patienten – bei Kindern ebenso wie im Austausch mit ihren Eltern. Diagnostik und Therapie entstehen im Zusammenspiel dieser drei Faktoren. Eine KI kann uns dabei unterstützen, Daten strukturiert auszuwerten oder sie liefert Hinweise für die weitere Behandlung. Die fachliche Einordnung, die Priorisierung von Therapiezielen und die persönliche Begleitung im therapeutischen Prozess bleiben jedoch Aufgaben, die menschliche Erfahrung und Verantwortung erfordern.“

KI in der Diagnostik: präziser analysieren, besser vorbereiten

In der Phoniatrie und Pädaudiologie der Erlanger HNO-Klinik erforscht Prof. Dr. Michael Döllinger, Leiter des Forschungsbereichs, gemeinsam mit seinem Team ein KI-gestütztes Diagnostikverfahren zur Analyse von Stimmstörungen. Ziel ist es, Stimmaufnahmen und bildgebende Verfahren mithilfe lernender Algorithmen auszuwerten, Muster zu erkennen und mögliche Ursachen differenzierter zu erfassen. Ein Beispiel: Bei einer Patientin mit chronischer Heiserkeit kann die KI große Datenmengen aus Stimmsignalen analysieren und Wahrscheinlichkeiten für funktionelle oder organische Ursachen berechnen. Das Behandlungsteam erhält dadurch eine datenbasierte Entscheidungsgrundlage, die die klinische Einschätzung ergänzt. Die Methode befindet sich derzeit in der wissenschaftlichen Erprobung und ist noch nicht Bestandteil der regulären klinischen Versorgung. „KI-Methoden sind kein Ersatz für klinische Erfahrung, persönliche Wahrnehmung und die zwischenmenschliche Beziehung“, betont Prof. Döllinger. „Wir verstehen sie als ergänzendes Werkzeug in Forschung und Medizin.“

Fachkräftemangel verschärft Versorgungslage

Gleichzeitig steht das Versorgungssystem unter Druck. Studien wie die vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention geförderte HELPER-Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zur gesundheitlichen Versorgungssituation zeigen einen zunehmenden Fachkräftemangel im therapeutischen Bereich. Lange Wartezeiten – insbesondere in der pädiatrischen Logopädie – sind vielerorts Realität. Am Uniklinikum Erlangen steuert und unterstützt die Fachabteilung Phoniatrie und Pädaudiologie daher die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und HNO-Ärztinnen und -ärzten sowie Praxen. Ziel ist es, Versorgungspfade effizienter zu gestalten und Familien frühzeitig zu begleiten. Ein Beispiel dafür ist die geplante Etablierung des Heidelberger Elterntrainings, das Eltern befähigt, die Sprachentwicklung ihrer Kinder im Alltag aktiv und kompetent zu unterstützen. Solche Konzepte können helfen, Versorgungslücken abzumildern – ersetzen jedoch ebenfalls nicht die individuelle Therapie.

Interdisziplinäre Forschung und Ausbildung

Die Logopädie am Uniklinikum Erlangen ist fest in ein interdisziplinäres medizinisches Umfeld eingebunden und arbeitet eng mit Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachkräften sowie Therapeutinnen und Therapeuten zusammen. Forschung zu KI-gestützten Verfahren erfolgt in enger Verzahnung von Medizin, Technik und Therapiewissenschaft. Ergänzt wird diese Vernetzung durch den primärqualifizierenden Studiengang Logopädie (B. Sc.) der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – den einzigen seiner Art in Bayern. Er verbindet wissenschaftliche Ausbildung und klinische Praxis und stärkt nachhaltig die enge Verbindung von Forschung, Lehre und Patientenversorgung.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Anne Schützenberger
09131 85-32782
phoni-sekretariat(at)uk-erlangen.de