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Klingt nach Leben – mit Neugeborenenhörscreening Zukunft sichern

Klingt nach Leben – mit Neugeborenenhörscreening Zukunft sichern

Erlanger Phoniatrie und Pädaudiologie betont zum Welttag des Hörens am 3. März die Bedeutung des Neugeborenenhörscreenings – eine betroffene Mutter berichtet

Ein gesundes Baby, komplikationslose Geburt – und dennoch ein auffälliges Ergebnis im Neugeborenenhörscreening: So begann die Geschichte von Melanie K. aus Gunzenhausen. Die weiterführende Diagnostik in der Fachabteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie am Uniklinikum Erlangen ergab bei ihrem Kind eine mittelgradige Schwerhörigkeit. „Im ersten Moment war es ein Schock, in unserer Familie hatte bisher niemand eine Schwerhörigkeit“, berichtet die Mutter. Im Alter von sechs Monaten erhielt das Kind Hörgeräte. Eine humangenetische Untersuchung schloss zudem ein Syndrom aus. Die frühe Versorgung und die kontinuierliche Betreuung durch eine Pädakustikerin sowie die Fachabteilung und die Hörfrühförderung nahmen den Eltern Ängste. Das Kind entwickelt sich sprachlich altersgerecht, besucht einen Regelkindergarten und nutzt seine Hörhilfen im Alltag. „Wir sind dankbar, dass die Schwerhörigkeit so früh erkannt wurde“, sagt Melanie K. heute rückblickend.

Mit dem diesjährigen Motto „Klingt nach Leben – Das Leben mit allen Sinnen genießen, heute und in Zukunft!“ betont die World Health Organisation (WHO) die zentrale Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose von Hörstörungen für die kindliche Entwicklung. Denn noch vor wenigen Jahren wurde eine Schwerhörigkeit bei Neugeborenen nicht oder erst sehr spät erkannt. Auch Prof. Dr. Anne Schützenberger, Leiterin der Erlanger Fachabteilung Phoniatrie und Pädaudiologie und seit über 20 Jahren in ihrem Fachbereich tätig, erinnert sich noch an die Zeit vor der Einführung des Hörscreenings: „Früher wurde eine Schwerhörigkeit oft erst im Alter von zwei Jahren entdeckt – für eine normale Sprachentwicklung häufig zu spät, weil die entscheidenden Phasen der Hirnreifung dann bereits weit fortgeschritten sind.“ 

Das im Jahr 2009 bundesweit eingeführte Screening ermöglicht heute eine Diagnose meist in den ersten Lebenswochen. Ziel ist eine gesicherte Abklärung bis zum dritten Lebensmonat und – falls erforderlich – eine Versorgung bis spätestens zum sechsten Monat. Die Untersuchung erfolgt häufig bereits in der Geburtsklinik, kann jedoch auch in der Kinderarzt- oder HNO-Praxis stattfinden. Sie dauert nur wenige Minuten, ist schmerzfrei und überprüft die Funktion des Innenohrs sowie die Weiterleitung der Hörreize über den Hörnerv bis zum Gehirn.

In Bayern liegt die Teilnahmequote am Neugeborenenhörscreening laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bei über 99 Prozent – ein wichtiger Beitrag zur frühzeitigen Förderung betroffener Kinder. „Eine Hörstörung früh zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln, bedeutet, die Zukunftschancen des Kindes entscheidend zu verbessern“, betont Prof. Schützenberger. „Das Neugeborenenhörscreening ist mit minimalem Aufwand verbunden – und stellt doch einen so großen Gewinn für die Teilhabe des Kindes dar.“ 

Welttag des Hörens

Der Welttag des Hörens wurde von der WHO initiiert und wird jedes Jahr am 3. März begangen. Weltweit leben über 430 Millionen Menschen mit behandlungsbedürftiger Hörminderung. Der Aktionstag macht alljährlich auf die zentrale Bedeutung von Prävention, Früherkennung und Versorgung aufmerksam. 

Weitere Informationen: 

Prof. Dr. Anne Schützenberger
09131 85-32782
phoni-sekretariat(at)uk-erlangen.de