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HNO-Klinik

Direktor:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Heinrich Iro
Uni-Klinikum, HNO-Klinik

Badespaß mit Folgen

Beim sogenannten Schwimmerohr entzündet sich der äußere Gehörgang – wie Wasserratten der Erkrankung vorbeugen können und wie sie behandelt wird

Sommer, Sonne, kühles Nass: Nach den coronabedingten Schließungen sind die Freibäder nun wieder gut besucht. Doch auf das Baden folgt oft der Ohrenschmerz, genauer gesagt das „Schwimmerohr“. Nach ausführlichem Planschen, Tauchen, Kraulen, Rutschen oder Surfen kann sich der äußere Gehörgang entzünden. Der pochende Schmerz, der sich unter Umständen sogar auf weitere Teile des Ohres ausbreitet, wird durch im Wasser befindliche Keime ausgelöst. An welchen Symptomen Betroffene ein Schwimmerohr erkennen und wie Wassersportler ihm vorbeugen können, erklärt Prof. Dr. Joachim Hornung, leitender Oberarzt der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro) des Universitätsklinikums Erlangen.

Der äußere Gehörgang, also der Bereich zwischen Ohrmuschel und Trommelfell, wird durch eine natürliche Fettschicht vor Krankheitserregern geschützt: dem Ohrenschmalz. „Aufgrund seines pH-Werts entsteht im Gehörgang ein leicht saures Milieu, das Bakterien nicht gernhaben“, erläutert Prof. Hornung. Längere Aufenthalte im Wasser lösen diese Fettschicht unter Umständen auf und trocknen die Haut obendrein aus. „Die somit ungeschützte Haut wird durchlässiger für Keime, die sich im feuchtwarmen Milieu des engen Gehörgangs perfekt vermehren können“, so der HNO-Experte. „Weil wir sie häufig im Sommer beobachten, nennen wir diese Entzündung des Gehörgangs auch Badeotitis.“ Schon wenige Stunden nach dem Aufenthalt im Wasser treten das lästige Jucken und der stechende oder pochende Schmerz auf. „Ungefähr jeder zehnte Deutsche hat mindestens einmal in seinem Leben mit dem Schwimmerohr zu kämpfen“, sagt Joachim Hornung.

Abdichten und abtrocken

Damit es gar nicht erst zur schmerzhaften Entzündung kommt, können Wassersportler einfach vorbeugen: „Spezielle Aqua-Ohrstöpsel verschließen den Gehörgang während der Aktivitäten, sodass dieser auch beim Tauchen, Beckenspringen oder Wasserskifahren trocken bleibt“, verrät Prof. Hornung. „Ohrentropfen, die nach dem Wasserkontakt anwendet werden, eignen sich außerdem gut, um den natürlichen Schutzfilm der Haut wiederaufzubauen: Die enthaltene Essigsäure stellt den natürlichen Säuremantel der Haut wieder her. Ölige Bestandteile wirken zusätzlich rückfettend und schützen das Ohr so vor dem Austrocknen.“ Vermeiden sollten alle Wasserratten allerdings das Reinigen bzw. Trocknen der Ohren mit Wattestäbchen oder anderen Gegenständen. „Ohrenstäbchen können Mikroverletzungen verursachen – so haben Bakterien freie Bahn, um in den Blutkreislauf zu gelangen. Also tupfen Sie die Ohren lieber sanft mit einem weichen Handtuch ab und vermeiden Sie das Baden in offensichtlich verschmutzten Gewässern.“

Bei Schmerzen zum Spezialisten

Wer sich dennoch eine Badeotitis zuzieht, sollte unbedingt eine Spezialistin bzw. einen Spezialisten aufsuchen. Prof. Hornung: „Lassen Sie sich von einem HNO-Arzt untersuchen, wenn Sie Schmerzen und/oder Schwellungen haben, damit der Gehörgang gereinigt und die Entzündung fachgerecht behandelt werden kann – zum Beispiel mit entzündungshemmenden Substanzen in Form von Ohrentropfen.“ Denn: Wird die Badeotitis zu spät oder gar nicht therapiert, breitet sich die Entzündung unter Umständen auf das Trommelfell und das Mittelohr aus. „Das ist noch schmerzhafter und möglichst zu vermeiden“, betont der leitende Oberarzt. Insbesondere Immunsupprimierte Personen und Diabetikerinnen bzw. Diabetiker sollten beim Auftreten der geschilderten Symptome achtsam sein: „Diese Personengruppen sind besonders gefährdet, eine schwere Form der Gehörgangentzündung zu entwickeln, die sogar bis in die Schädelbasis vordringen kann und schwer zu behandeln ist. Lassen Sie sich die Ohren also im Zweifel lieber einmal zu viel untersuchen als einmal zu wenig“, so Prof. Hornung.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Joachim Hornung
Tel.: 09131 85-33156
E-Mail: joachim.hornungatuk-erlangen.de

 

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