Nachrichten

HNO-Klinik

Direktor:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Heinrich Iro
HNO-Klinik

Lebensqualität zurückgewinnen

Neues Verfahren optimiert Behandlung von Speichelsteinen

Anfang der 1990er-Jahre kann sie die Symptome nicht mehr ignorieren: Eine Schwellung am Unterkiefer macht Sieglinde Nilles zu schaffen. Damals ist sie erst Anfang 50. Das Kauen und damit jede Mahlzeit werden zur Qual. Zudem leidet sie unter starken Kopfschmerzen. Sie konsultiert einen Arzt, doch der weiß auch nicht weiter. Vielleicht eine Zahnwurzelentzündung? "Keiner konnte mir damals zunächst sagen, was ich habe, keiner konnte meine Symptome richtig deuten", schüttelt Sieglinde Nilles rückblickend den Kopf. Erst später wird die Diagnose gestellt: Die Schwellung wird durch Speichelsteine in ihrer Unterkieferspeicheldrüse ausgelöst. Die Steine sind hartnäckig. Mehrere Versuche, sie loszuwerden, scheitern. Die Steine können zwar von außen zertrümmert, die Fragmente jedoch nicht entfernt werden. Dank eines neuen Verfahrens konnte der heute 76-jährigen Nürnbergerin - über 20 Jahre nach Auftreten der ersten Symptome - im Speicheldrüsenzentrum der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Erlangen geholfen werden.
"StoneBreaker", Permission for use granted by Cook Medical, Bloomington, Indiana

Eine neue Hoffnung

Ein neu entwickeltes Gerät, der sogenannte "StoneBreakerTM", zur Steinzertrümmerung im Gangsystem unter endoskopischer Kontrolle steigern die Heilungschancen von Sieglinde Nilles. Ihre Speichelsteine werden von innen und mittels pneumatischer Energie zertrümmert. Anders als bei der extrakorporalen Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL) werden die Steine nicht von außen, sondern über eine auswechselbare Nitinol-Sonde, die direkt in den Speichelgang eingeführt wird, mit mechanischen Schockwellen "beschossen" und so fragmentiert. Die Energie stammt aus mit CO2 gefüllten Kartuschen, deren Inhalt in Einzelstoß-Technik freigesetzt wird. Hierzu wird ein Trigger-Mechanismus am Handgriff des Gerätes ausgelöst. Zwischen zwanzig Minuten und eineinhalb Stunden dauert eine Behandlungssitzung. Die Zertrümmerung der Steine nimmt hierbei weniger Zeit in Anspruch als das Herausholen der Stein-Fragmente aus dem Gangsystem. Dies geschieht mit Mikro-Instrumenten wie Körbchen oder Zängelchen. Das Speicheldrüsenzentrum an der HNO-Klinik Erlangen ist in der Nutzung des neuen Gerätes wegweisend. Das Verfahren wurde bei Speichelsteinen weltweit erstmals in Erlangen angewendet und kommt derzeit nur an wenigen anderen Zentren zum Einsatz. Bislang wurden über 80 Patienten auf diese Weise behandelt. Alle - auch Sieglinde Nilles - sind heute beschwerdefrei. "Dieses neue Verfahren ist sicher ein Fortschritt in unseren Bemühungen, Speichelsteine noch minimal-invasiver zu therapieren. Das Verfahren stellt einen wichtigen Teil unseres umfassenden Therapieprogramms dar und steigert die ohnehin schon sehr hohe Erfolgsrate", so PD Dr. med. Michael Koch, Leiter des Speicheldrüsenzentrums in Erlangen. Für Sieglinde Nilles bedeutet der Fortschritt vor allem: Linderung der Beschwerden und eine bessere Lebensqualität.

Linderung und Lebensqualität

Als man ihre Diagnose stellt, steht die minimal-invasive und drüsen-erhaltende Therapie ihrer Erkrankung am Anfang. Es gibt noch keine geeigneten Speicheldrüsenendoskope und dazu passende Miniatur-Instrumente für schonende Verfahren zur Steinextraktion. Häufig wird noch die operative Entfernung der betroffenen Speicheldrüse durchgeführt. Dies ist mit dem Risiko, empfindliche Gesichtsnerven zu verletzen und weitere Schäden auszulösen, verbunden.

An der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Erlangen wurde bereits eine Methode zur Drüsen-erhaltenden Therapie, die sogenannte extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL) in die klinische Medizin eingeführt. Sieglinde Nilles wird zunächst in Erlangen behandelt. Im Laufe von zwei Jahren unterzieht sie sich mehreren Sitzungen, in deren Rahmen ihr Gesicht ca. 3.000 Mal von außen mit sogenannten Stoßwellen - mit "kleinen Hammerschlägen", wie Sieglinde Nilles sagt - beschossen wird. Die ESWL empfindet sie damals als unangenehm. Die Steine können hierdurch nicht komplett entfernt werden. Als ihr ein neues Laser-Gerät vorgestellt wird, schöpft sie neue Hoffnung. "Ich wusste damals nicht, worauf ich mich da einlasse", sagt sie heute. Die Narben im Mundbereich, die sie aus der Behandlung davonträgt, backen die Steine nicht nur im Speichelgang ein, sie erschweren bis heute Eingriffe an ihrer Unterkieferspeicheldrüse. Die Mittelfränkin fasst einen Entschluss: Sie kehrt Erlangen den Rücken und lässt sich am sich in Bad Homburg im Taunus weiter therapieren. Die nochmalige Durchführung der extrakorporalen Stoßwellen-Lithotripsie führt zu ersten Erfolgen. Die hartnäckigen Steine lassen sich erstmals zertrümmern. Sieglinde Nilles lebt ein paar Jahre schmerzbefreit. Dann geht es wieder los. Dieses Mal lässt sie sich wieder in Erlangen behandeln. Das liegt nicht zuletzt an Prof. Iro, der seit 2000 die Erlanger HNO-Klinik als Direktor leitet und mittlerweile ein Zentrum für Erkrankungen der Speicheldrüsen eingerichtet hat. "Diese Beschwerden haben mein Leben negativ beeinflusst und mir oft meine Lebensfreude genommen", resümiert Sieglinde Nilles und ist zuversichtlich: "Ich habe wieder Vertrauen in die Medizin gefasst."

Weitere Informationen

PD Dr. Michael Koch
Telefon: 09131 85-33156
E-Mail: michael.kochatuk-erlangen.de

 

Ansprechpartner für die Redaktionen

Birke und Partner GmbH
Kommunikationsagentur
Silke Wilpert
Tel. +49 (0) 9131 8842 17
E-Mail: silke.wilpertatbirke.de

zurück zu Aktuelles
 

Veranstaltungskalender

MoDiMiDoFrSaSo
29 30 31 01 02 03 04
05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 01 02

Veranstaltungssuche

 
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
 
 
 
Bitte tragen Sie Ihren Namen und gültige E-Mail-Adresse(n) ein!
X zum Schließen

Zusammenfassung